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Winterhilfe in Kabul - Afghanistan

Aufgrund des Aufrufs eines Freundes unseres Clubs, der als Reservist seit drei Monaten im ISAF-Headquarter Dienst tut, haben wir im Januar 2008 spontan 6.000 € gesammelt, die ohne Verzögerung und jeglichen Abzug direkt bei den bedürftigen vor Ort in Form von Nahrungsmitteln, Kohle und Decken ankam.  Allein unser Spendenanteil trägt dazu bei, über 40 Familien über den kältesten Winter seit Jahrzehnten zu bringen.

Hierzu der Pressebericht von Boris Barschow:

“Für heute bin der glücklichste Mensch der Welt“, sagt die alte Frau, die mit ihrem Enkel vor einer Lehmmauer im Schnee kauert und das Treiben der fremden Männer beobachtet. Amira, die kleine Enkelin, ist vielleicht vier Jahre, trägt Sandalen ohne Socken, ihre nackten Füße haben sich mittlerweile an den kalten Schnee gewöhnt.

„Heute wird es endlich wieder warm in unserem Zelt, das bedeutet, dass wir die kommende Nacht überleben werden.“

Mahoba und ihre Familie ist vor zwei Jahren aus Pakistan zurückgekehrt. Dorthin war sie vor den Taliban geflüchtet. „Als Präsident Karsai die Afghanen aufrief, in ihre Heimat zurückzukehren, versprach er uns Land und Arbeit. Den zweiten Winter leben wir nun in diesem Zelt hier, haben nichts: keine Arbeit und auch kein Land.“ „Was ist das für ein Versprechen?“, fragt ihr Sohn Azem.

Derweil beobachtet die kleine Amira die fremden Menschen in Uniform, die Mehlsäcke, Holzkohle und Decken an die Familien dieses Flüchtlingslagers im Westen Kabuls verteilen. Den Männern, die ihre gefüllten Schubkarren zurück in die kargen Zelte bugsieren, ist ein zufriedenes Lächeln im Gesicht anzusehen. Heute ist ein Glückstag. Deutsche Soldaten liefern eine Zukunft für zirka 25 Tage. 49 Kilogramm Mehl, 49 Kilogramm Holzkohle und jeweils zwei warme Decken für jede der 96 Familien, die in diesem Camp leben. „Innerhalb von nur 16 Tagen haben wir 12.000 Euro gesammelt, meint Oberstleutnant Achim J., der als Reservist seit drei Monaten im ISAF Headquarter seinen Dienst tut. Als der Winter begonnen hat, erfuhr der Landsberger, dessen fünfter Auslandseinsatz dies ist,  aus Gesprächen mit  Regierungsbeamten von der Not der ca. 4500 Flüchtlingsfamilien, die in Camps in und um Kabul leben.

„Zirka 200 Dollar braucht man hier für eine Familie, um sie über den Winter zu bringen“, hat J. recherchiert.

Zusammen mit dem „Lions Club München-Opera“ und  „Children’s International Summer Village München (CISV)“ hat J. Geld gesammelt, das nun ohne jeglichen Abzug bei den Flüchtlingen angekommen ist. Viele deutsche Soldaten in Kabul, haben sich dieser Aktion angeschlossen, meint J. stolz. Die Gegensätze des Lebens sind in diesem Lager deutlich zu erkennen. Wo man hinschaut: provisorische Unterkünfte – teils Zelte, aber auch Lehmhütten und hundert Meter dahinter – hinter der Lagermauer: die Neubauten afghanischer Geschäftsleute. „Leid und Freud so dicht beieinander“, sagt ein deutscher Soldat, „das kann man sich nicht vorstellen, wenn man das nicht mit eigenen Augen gesehen hat.“

„Die Hilfe der Deutschen hat sich in Kabul sehr schnell herumgesprochen“, erzählt der Älteste des Lagers, Nazem. „Wir danken dem Allmächtigen, dass er euch auch zu uns geschickt hat.“ Erst gestern hatte J. zwei  Camps mit 106 Familien unterstützt. In Nazems Augen ist eine Art Hoffnung zu erkennen. Gleichwohl wissen aber alle Beteiligten dieser Hilfsaktion, das selbige nur ein Tropfen auf den heißen Stein bedeutet. Denn die gelieferten Güter reichen- wie gesagt –nur für knapp 25 Tage, dann beginnt das Elend wieder von vorne.

Der kälteste Winter seit Jahrzehnten, der dann aber hoffentlich zu Ende gehen wird, macht den Menschen in Afghanistan sehr zu schaffen. Hunderte Familien haben diesen Winter ihre Angehörigen verloren. In einigen Regionen teilweise Temperaturen von minus 30 Grad. „Wir können mit Sicherheit nicht allen Menschen hier in Kabul helfen“, sagt J. mit trauriger Stimme.

Doch, wenn jeder ein bisschen hilft, dann kann daraus etwas ganz Grosses werden.

Als die Deutschen mit ihrem Konvoi das Lager wieder verlassen, steht die kleine Amira bis zu ihren Knöcheln im Schnee und winkt den Soldaten hinterher und ruft: “Taschakor“ – Danke. Amira muss gleich wieder zurück ins Zelt. Das Essen ist gleich fertig. Mutter macht das erste mal seit Wochen wieder etwas Warmes."

Boris Barschow

www.boris-barschow.de